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Schmerz (2024)

8-teilige Fotoreihe, jeweils 30x45.

Schmerz hat eine lange und tiefgreifende kulturelle Bedeutung, welche über das alleinige physische Empfinden hinausgeht. Ob im religiösen bzw. spirituellen Kontext als Form der Läuterung oder des Opfers (Christentum), als integraler Bestandteil des Daseins (Buddhismus), oder als Konsequenz des Karmas (Hinduismus). In der existenzialistischen Philosophie (Friedrich Nietzsche, Jean-Paul Sartre) wird Schmerz als unvermeidlicher Teil des menschlichen Lebens betrachtet, der zur Selbstfindung und -verwirklichung führen kann. In vielen Kulturen ist Schmerz ein wesentlicher Bestandteil von Übergangsritualen und wird hier etwa als Prüfstein und Zeichen der Reife gesehen. In einigen Gesellschaften wird gemeinsamer Schmerz, so in Trauer oder kollektiven Erfahrungen von Leid, als Mittel zur Stärkung der sozialen Bindung angesehen. In westlichen Kulturen wird hingegen häufig erwartet, dass Schmerz unter Kontrolle gehalten wird, hier ist er ein Symbol für Schwäche. Die Fotoreihe hält einen körperlichen Schmerzmoment der Fotografierten fest, welcher durch Elektroschocks gezielt von der Künstlerin evoziert wurde. Schmerz soll somit als gewöhnliche, körperliche Erfahrung ausgestellt werden, die es nicht zurückzuhalten, zu verstecken oder zu vermeiden gilt, die uns vielleicht sogar lebendig fühlen lässt und die eigene, westliche, negative Konnotation infrage stellt – also Kontrollverlust ermöglicht, ohne dabei fetischisiert werden zu müssen.

Schmerz

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